Das Kölner Archiv, Herr Spinnen und Perlenketten

Im Feuillton der Frankfurter Rundschau beschreibt Burkhard Spinnens Die verdammte Realität einer Theorie, dass der Fall das “Falles” des historischen Stadtarchivs Köln zeigt: Nix Digitalisiert? Nix übrig!

Recht hat er.
Warum wird nicht digitalisiert?
Wenn ich eine unersetzbare Perlenkette besitze, dann lege ich diese in den Safe und trage eine Replik. Ok, nicht ich, meine Frau.
Stillos werden die einen sagen. Klug, so sage ich. Und da man in Köln gerade nach der Stadtgeschichte graben muß, wie Schliemann nach Troja – die Angehörigen der Opfer des Unglücks in Köln mögen diesen Sarkasmus verzeihen – richtig klug.

Die digitale Replik eines Archivs hat zudem unendlich viel mehr Wert, als nur im Falle des Falles die Möglichkeit zu bieten auf die physisch nicht mehr vorhandenen Inhalte zugreifen zu können. Man hat neben der Sicherungskopie auch eine Arbeitskopie. Abnutzungsfrei, duplizierbar und potentiell (Strom, Computer und Internetzugang vorausgesetzt) verfügbar für jeden, jederzeit und überall.
Vielleicht könnte man auch durch die digitale Flexibilität eines Archives dessen Standort besser wählen, vielleicht sogar Kosten einsparen für Miete und Bestandspflege. Vielleicht werden neue Arbeitsplätze geschaffen. Vielleicht wird die Attraktivität des Archives um ein Vielfaches gesteigert. Vielleicht …
Wenn das nur nicht so teuer wäre!  Jammer, oh Jammer. Finanzkrise. Weltwirtschaft. Kreditklemme.
Nun ja, auch auf die Gefahr hin moralinsauer daher zu schwafeln: eine der hunderte Milliarden Unterstützungseuros reicht wahrscheinlich aus alle Archive Europas digital langzeit zu sichern und nebenbei für jeden Bürger verfügbar zu machen. Was übrigens nebenbei die Aufgabe eines Archivs ist.

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