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CCS- nicht nur in Deutschland

Tuesday, December 18th, 2007

Die Hamburger Softwarefirma CCS hat einen Großauftrag zur Digitalisierung alter Bücher in der British Library, der Nationalbibliothek des Vereinigten Königreichs und einer der größten Bibliotheken der Welt, übernommen. Sponsor und Auftraggeber ist der Softwaregigant Microsoft. Der Auftrag hat ein Volumen von rund 2,5 Millionen Euro. Das Hamburger Unternehmen hat sich gegen eine Reihe von Bewerbern durchgesetzt.

Zwölf CCS-Mitarbeiter haben ihren Arbeitsplatz von der Elbe an die Themse verlagert. Vor Ort wird ein Digitalisierungsstudio aufgebaut. “Unsere Technologie hat einen so hohen Grad an Automatisierung, dass wir nicht mehr Leute benötigen”, sagte CCS-Geschäftsführer Richard Helle. Bis Ende 2009 sollen 100 000 Bücher aus dem 19. Jahrhundert elektronisch eingelesen werden. Pro Monat müssen deshalb mehr als eine Million Seiten aufwendig digitalisiert werden.

Die Anforderungen seien hoch gewesen, so Helle. Zum einen müsse die Erfassung der Bücher schonend und effizient erfolgen. Außerdem lege Bibliotheksdirektor Richard Boldeston großen Wert darauf, dass die Lesbarkeit der Daten langfristig gesichert sei. Bibliotheken seien die anspruchsvollsten Kunden, weiß Helle aus Erfahrung, denn für sie käme es darauf an, dass alle Informationen, die heute digitalisiert werden, auch in einem halben Jahrhundert noch lesbar sind.

Bei der Speicherung der kostbaren Bücher auf Festplatte entsteht auch jedes Mal eine neue Druckvorlage. “Damit können Sie Bücher von 1800 neu verlegen”, sagt Daniel Lanz, der CCS-Projektleiter in London. Neugierige brauchen aber nicht darauf zu warten, denn alle digitalisierten Bücher werden im Internet zur Verfügung gestellt.

Für das Unternehmen von der Uhlenhorst ist die prestigeträchtige Arbeit für die British Library nicht der erste Großauftrag einer Nationalbibliothek. In Norwegen stattete CCS die Nationalbibliothek in Oslo mit den notwendigen Geräten und Programmen für die Digitalisierung von mehr als 172 Millionen Seiten aus. “Alles, was in Norwegen jemals veröffentlicht wurde, wird erfasst”, sagt Helle. Rund 15 Jahre werde es dauern, den gesamten Bestand zu scannen und zu digitalisieren.

Ähnliche Aufträge wurden CCS aus Finnland, Singapur und Neuseeland erteilt. Und für die Bibliothek des US-Kongresses, eine der größten der Welt, ist CCS an einem Projekt beteiligt, in dem alle jemals in den USA erschienenen Zeitungen digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.

Auch die Bibliotheken der US-Universitäten Stanford und Harvard sowie die Michigan State University arbeiten mit CCS-Technologie aus Hamburg. In Deutschland sind es etwa die Universitäten in Göttingen und Hannover.

Heute ist das Geschäft mit der Digitalisierung von Daten für CCS ebenso wichtig wie der Umsatz mit Pressespiegeln und Mediendokumentation, dem zweiten Standbein. Die Bundesregierung, Volkswagen, Hapag-Lloyd oder EADS nutzen die spezielle CCS-Software. In den vergangenen beiden Jahren sei der Umsatz wegen des neuen Geschäftsfelds jeweils um rund 40 Prozent gewachsen. Der Umsatz liege heute im mittleren einstelligen Millionenbereich und solle in zwei Jahren zweistellig sein, nennt der CCS-Chef Zahlen und Ziele.

Von den 260 Mitarbeitern sind rund 160 in Indien mit der Qualitätssicherung der eingelesenen Daten beschäftigt. In Rumänien arbeiten weitere 50 Mitarbeiter. In Hamburg sind Entwicklung, Projektmanagement und Marketing untergebracht.

Weniger als zehn Firmen seien weltweit in der Lage, die Dienstleistung zu bieten, für die CCS spezialisiert ist, sagte Helle. Er rechnet mit einem steigenden Auftragsvolumen, denn die Digitalisierung sei gegenüber dem Mikrofilm wettbewerbsfähig, weil der elektronische Speicherplatz billiger geworden sei.

Financial Times: Bits und Bytes

Friday, October 12th, 2007

Quelle: FTD

Hier unten gibt es keine Fenster. Im Schummerlicht steht Tony Vijulie an Maschine vier, tief im Bauch der British Library. Der junge Mann tippt kurz auf den Rand des vergilbten Buches, spannt es richtig ein, damit der übermannshohe Scanroboter seine Arbeit erledigen kann. Gerade hat der Arm der Maschine Seite 21 von Anthony Hopes Werk “Die Abenteuer der Lady Ursula” angesaugt und umgeblättert. Nun spreizen Kunststoffleisten das Buch aus dem Jahr 1898 unter kaltem Kunstlicht. Kameras schießen Bilder. Klick, klick - Seite 22 und 23 sind im Kasten, alle Daten auf Festplatte.

Vollautomatisch blättert und knipst sich der Roboter durch das Buch mit dem lindgrünen Einband. “Bis zu 2000 Seiten schafft er pro Stunde”, sagt Vijulie. Er arbeitet für CCS, eine Hamburger Technologiefirma, die alle Bücher der British Library aus dem 19. Jahrhundert erfasst. Zwei volle Jahre wird das Projekt dauern. Die Rechnung übernimmt: Microsoft.

Bits und Bytes statt Leder, Tinte und Papier - ein Megaprojekt nimmt immer mehr Fahrt auf. Während in diesen Tagen auf der Frankfurter Buchmesse Tausende neuer Publikationen der Öffentlichkeit präsentiert werden, sind die besten Bibliotheken der Welt im Stillen dabei, ihre teils jahrhundertealten Bestände zu digitalisieren. Die British Library, die Bibliotheca de la Universidad Complutense de Madrid, die Washingtoner Library of Congress oder die Bayerische Staatsbibliothek - sie alle öffnen sich der neuen Welt. Seite an Seite mit bekannten und doch überraschenden Namen: Microsoft, Yahoo, Google. Die Internetriesen rangeln geradezu um die Ehre, den Schatzkammern des Kulturerbes die Reise ins digitale Zeitalter zu bezahlen. Auch wenn bisher ebenfalls im Dunkeln bleibt, was sie eigentlich wollen: Vermarktungsideen haben sie noch nicht vorgestellt. (more…)